Von Marcus, Benni und der weiten Welt

16Feb/106

Die gruene Hoelle von Kambodscha

Das Zusammentreffen mit dem 18 jaehrigen Daenen August began eine neue Aera in meiner Kambodschareise. Der Typ war so unglaublich unbekuemmert und neugierig mal was anderes zu sehen, dass mir gleich klar wurde, dass sich das Reisen von nun an ins positiv rustikale aendern wird! Der Duft der wilden Fahrt lag wieder in der Luft! So machten August, Ich und mein Bart uns auf den Weg in den Norden. Mein Bart sei hiereigens erwaehnt, da die Leute manchmal nicht auf mich scheun, sondern nur auf meinen Bart. Auch sprechen sie mit meinem Bart, zumindets schauen sie mir beim Reden nicht in die Augen sondern auf dieses seltsame Gewaechs rund um meinen Mund.

Insektenhaendler

Insektenhaendler

Militaer-Tempel

Unser erstes Ziel war der Tempel in Prasat Preah Vihear, direkt an der thailaendischen Grenze. Seit ca. 100 Jahren haben sich die Thais und Khmer wegen der Ruine in den Haaren. Eigentlich liegt der Tempel auf thailaindischen Boden, ist aber ein Bauwerk der Khmer. Deswegen haben es damals die Franzosen Kambodscha zugeschrieben. Bis heute und schon seit Jahrzehnten ist der Tempel nun Gegenstand eines gewaltsamen Militaerkonflikts.  Alleine der Weg dorthin war schon abenteuerlich. Die Strasse verwandelte sich schnell in eine Staubpiste und gluecklicherweise erwischeten wir einen Supertramp. Auf dem Dach eines mit vermumten, wie Taliban aussehende, Maennern beladenen Pickups sausten wir mit Hoechstgeschwindigkeit ueber die Strasse. Wir vermuten, der Fahrer glaubte, dass wenn er schnell genug faehrt, die Schlagloecher ueberschweben kann. Unsere Hintern waren da anderer Meinung. Einige male haten wir ernstahft Probleme uns festzuhalten, um nicht vom Dach geschleudert zu werden. Als einziger ohne Tuch am Mann hatte ich nach diesem Ritt gefuehlte drei Kilo Sand im Mund. In Preah Vihear angekommen wollten wir uns mit unseren Haengematten in den Wald schlagen aber hier war die ganze Gegend weitraeumig vermint und so schliefen wir in einer Art Soldaten-Restaurant-Kneipe.

Daenische Gruesse vom Pick-Up

Daenische Gruesse vom Pick-Up

Staub auf den Zaehnen nach dem Pick-Up-Dach-Tramp

Staub auf den Zaehnen nach dem Pick-Up-Dach-Tramp

Die letzten grossen Gefechte sind nun wohl gute zwei Monate her und man hat sich auf Waffenstillstand geeinigt. Kein Grund nicht wachsam zu sein! Der ganze Berg, mit dem Tempel auf der Spitze strozt nur so von schwer bewaffneten Soldaten und Geschuetzen. Gleich beim Aufstieg winkte uns ein grinsender Soldat mit einer Panzerfaust auf dem Ruecken zu. Darauf folgte dann ein kleiner Tramp mit einem Soldatentransporter und schon waren wir oben. Hier offenbart sich das Ergebnis des Konflikts. Die Soldaten haben es sich gemuetlich gemacht udn inzwischen ihre Frauen und Kinder hinterhergeholt, die uebrigens auch alle in Uniform rumrennen. Mehrere kleine “Doerfer” sind so entsanden mit Restaurants, Laeden und oeffentlichem Fernsehen (Gleichzusetzten mit unserem Kino). Ausserdem gab es eine Soldatenmusikergruppe. Angefuert von Mister Lin, unserem neuen Freund, sitzen eine Hand voll halbwuechsiger jeden Tag am Rande der Klippe und machen traditionelle Musik; mal fuer Touristen, mal fuer Generaele, mal fuer Boxkaempfe  und mal fuer und mit uns. Endlich ein Plazt fuer uns alleine. Die Strassenverhaeltnisse halten die herkoemmlcihen Touristen soweit fern, dass die Soldaten noch nicht total abgenervt sind und so wurden wir ueberall freundlich begruesst und geladen. Kaffetrinken, Film schauen, Musik machen… eigentlich taten wir dasselbe wie ueberall aber diesesmal waren unsere geenueber mit den dicksten Kanrren versehen.

Meine Gang

Meine Gang

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Die Militaerkapelle inkl. Mr Lin

Die Militaerkapelle inkl. Mr Lin

Kindersoldaten?

Kindersoldaten?

Unser Tempel!!!

Unser Tempel!!!

Tempel links + Knarre rechts

Tempel links + Knarre rechts

Weit ist der Weg….

Wir goennten uns einen weiteren Tag an diesem wunderbaren Platz und machten uns auf Richtung Stung Trenk um dann nach Laos ueberzusetzen, denn unser beider Visa neigte sich dem Ende. Wir fanden herraus, dass von Tbaeng  Meanchey eine kleine Strasse existiert, die direkt nach Stung Trenk fuehrt. Wunderbar, das spart uns den riiiiiiesigen Umweg ueber Kampong Thom und Kampong Cham. Die Strasse sei allerdings in maessiger Verfassung, so sagte man uns. Die Distanz betraegt ca. 140 km. Im Notfall koennten wir also auch Laufen und so ging es dann auch los. Als wir aus der Stadt rausliefen und der Strasse folgten, mussten wir schon nach 1km einen Fluss auf einer winzigen Holzbruecke ueberqueren. Auf der Strasse konnten also nur Gelaendewagen fahren. Umso aufregender und damit besser. Wir wuerden schon einen guten Tramp finden. Tatsaechlich war man seit einem Jahr dabei die Strasse zu planieren, ueberall Baufahrzeuge. Wir trampten gleich bei so einem Wasserspritzfahrzeug mit und ruhten die Nach im erten Dorf.

Tramp auf Benzintransporter

Tramp auf Benzintransporter

Einer von vielen scheinbar kontrollierten Waldbraenden

Einer von vielen scheinbar kontrollierten Waldbraenden

God bless America

Im naechsten Dorf begegneten wir dann einer amerikanischen Familie, die sich dort vor 7 Jahren niedergelassen hat. Ihre selbsternannte Aufgabe war es die katastrophalen Gesundheitsverhaeltnisse (Geburtensterberate von 50%) zu verbessern und so bauten sie ein Krankenhaus. Seit dem hat sich einiges verbessert aber die Leute haben es simmer noch schwer und vertrauen noch zuviel den unfaehigen Medizinmaennern. Ausserdem sind viele unbelehrbar. So kommen dauernd dehydrierte Leute vorbei um sich eine Infusion abzuholen. Man erklaert ihnen zwar, dass sie einfach mehr trinken sollten aber zutief sitzt die Ueberzeugung, dass man von zuviel Wassertrinken nachts auf Toilette muss, mehr schwitzt und ausserdem fett(!!!) wird. Wie auch immer, wir holten uns ein traditionell amerikanisches Fruehstueck ab mit Pancakes, Sirup und Erdnussbutter. Wirklich eine stereotypische Familie erster Klasse. Die Mutter hatte einen fetten Hintern, zwei Jungen und zwei Maedchen, auf den Familienfotos mit glattem Scheitel, der Vater im Sessel mit Zeitung und Kaffee, ein kleiner Paris Hilton Hund und ein dicker Schaeferhund und als Fahrzeug….natuerlich ein dicker Gelaendewagen! Super!

Neujahr

Wir zogen weiter und nach diversen Tramps mit Baurbeitern, einem Kokusnusstraktor und Bauingeingeneuren, Versorgungs-LKW und stundenlangem Marsch gelangten wir nach Chebb Kandal. Das Oertchen lag so ziemlich in der Mitte der Strecke, von hier aus nur noch schlappe  80km. Zufaellig wurde an diesem Abend das neue Jahr zelebriert und da wir zu den weniger als 5 Touristen der letzten sieben Jahre gehoerten (laut amerikanischer Statistk) war man ganz ausser sich, dass wir an diesem Zeitpunkt eintraffen udn zerte uns zu den Festlichkeiten. Als erstes gab es eine wiederlich Runde warmen Reisschnapps aus einem Benzinkanister und dann ging das Tanzen los. Hauptsaechlich die Maenner waren erpocht darauf mit uns die Hueften zu schwingen, die Frauen hielten sich dezent zurueck. Die Kinder dagegen waren total ausser Kontrolle und so hatten wir bei jedem Tanzschritt einen kleinen Poebel Kinder um uns herum. Wirklich grossartig. Das war mein erster naeherer Kontakt zu Kindern seit Tagen. Die haben hier maechtig Angst vor meinem Bart und fangen manchmal schon beim ersten Augenkontakt an zu weinen oder verstecken sich hinter ihren Eltern. Mit Suessigkeiten bestochen und in guter Tanzlaune konnte ich allerdings ihr Vertrauen gewinnen. Zwischenzeitlich goennten wir uns ein Bier an einen kleinen Stand. Mit Eiswuerfeln gekuehltes Bier aus dem Strohalm. Mitten im Nichts! Ein Hoch auf die Globalisierung! Unsere letzten zwei Runden Bier hat August uebrigens vergessen zu bezahlen und als wir gerade zum Schlafen in der Haengematte legen wollten, kam schuechtern das Maedchen vom Stand angetappst um ihm einen Zettel zu ueberreichen (Siehe Bild). Statt erwarteten Liebesbrief gabs dann die Rechnung.

August mit verwirrten Kindern

August mit verwirrten Kindern

Draussendusche im Dorf, an der einzigen Wasserpumpe

Draussendusche im Dorf, an der einzigen Wasserpumpe

Die Abrechnung

Die Abrechnung

Strasse???

Aprupt endeten die Bauarbeiten hinter dem Dorf und jetzt verstanden wir auch, warum die Strasse nicht einmal bei Googlemaps zu sehen ist. Mehr Schlagloecher als Strasse und mit unzaehligen Kurven und Matschloechern, so offenbarte sich uns der weitere Weg. Wir ahnten, dass hier selbst ein Gelaendewagen passen muss. 80km…zu spaet um umzukehren. Die Leute warnten uns zwar noch aber wir kaufetn nur soviel Wasser wie moeglich und machten uns auf den Weg. Um uns herum nur Djungel und diverse Waldbraende. Scheinbar kontrollierte Waldbraende aber niemand da, der da etwas kontrollierte. Nach einigen Studne wandern, dann der erste Tramp. Ein Motorroller versucht uns mitzunehmen aber am Vorabend bin ich aud der Haengematte auf den steinharten Boden geplumpst und habe mir das Steissbein geprellt. Nach einigen schmerzhaften Minuten musste ich passen und das Machieren ging weiter. Voellig am Ende unserer Kraefte erreichten wir am fruehen Nachmittag das naechste Dorf. Wir ahnten inzwischn, das wir ganz schoen in der Tinte sitzen. Ich konnte wegen meinem Hintern kaum Laufen und hatte mir den Rucksack hoeher geschnallt, sodass ich nun zusaetlich Schuerfwunden am Ruecken hatte und August war mit seinen Halbschuhen ebenfalls sehr schlecht bedient. Und diese Sonne!  Wir hatten gerade unser Wasser aufgefrischt dun wollten einen Platz fuer ein Mittagsschlaefchen suchen, denn die Nacht ist schoen kuehl udn gut zum wandern, als ploetzlich ein Gerumpel aus der Ferne zu vernehmen war. Ein Konvoi naeherte sich rasant. Drei Laster, vollbepackt mit Maennern und Waren aller Art kaempfte sich durch den Pfad. Wir sprangen zurueck auf die Strasse und fanden uns Minuten spaeter auf der Ladeflaeche wieder. Nun gings fixer voran. Nicht schnell aber schneller als zuvor. Dafuer schmerzte mein Hintern wieder, da wir bei jedem Schlagloch rumgewirbelt wurden, manchmal so doll, dass man sich nicht mehr fetshalten konnte. Ausserdem legte sich das Gerae teils so schraeg in den tiefen Loechern, dass wir uns bereit machen mussten im Notfall abzuspringen, falls das Fahrzeug kippt. Dazu kam noch dass die ganze Zeit Aeste ueber uns hinweg flogen, so musste man immer auf  der Hut sein, nicht getroffen zu warden. Einmal nicht aufgepasst und schon hat mir eine Liane die Nase blutig gepeischt. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, als wir nach drei Stunden in einem indianeraehnlichen anhielten um das Nachtlager aufzuschlagen. Am naechsten Morgen ging es weiter, Richtung Stug Trenk doch 20km vorher gab es einen Abzweigung. Hier bog der Konvoi ab, Richtuing Laos, wie man uns erklaerte, wir keonnten gerne mitkommen aber leider musste ich mir noch ein Visum besorgen. Erst im Nachhinein verstanden wir, dass es Schmuggler gewesen sind, da der Konvoi in Tbaeng  Meanchey, ein groesseres Staedtchen, gestartet ist und kurz vor Stunk Trenk, der naechsten grossen Stadt immer noch alle Waren an Bord hatte. Ausserdem war die Strasse, in die sie einbogen, nicht eingezeichnet und eine Grenze diesseits des Mekongs erst recht nicht.

Auf dem Schmuggler-Konvoi durch den Urwald

Auf dem Schmuggler-Konvoi durch den Urwald

Endspurt

Die offiziel letzten 20km waren mindestens 40, da sind wir uns sicher. Wir liefen wieder los aber ein junger Mann, den wir im letzten Dorf kennengelernt hatten ahnte schon, dass wir zu Fuss Ewigkeiten brauchen wuerden, daher folgte er uns und irgendwann sollten wir ihm auf einen kleinen Pfad folgen. Dort entdeckten wir ein Haus mit Mann, Frau und Kind. Die Menschen in der Region sind schon eine diskrimierte Minderheit aber das ist kein Grund noch kleinere Volksgruppen ebenfalls zu diskriminieren. So musste die Familie weit ab von den Doerfen im Walkd leben. Die Einladung zum Essen nahmen wir gerne an. Es gab Reis mit Hund, wie wir waehrend des Essens erfuhren. Wir liessen ein paar Dollar und wollten gerade weiterlaufen, als der junge Mann das Motorrad des Aussaetzigen auslieh und uns samt zwei Rucksaecken auflud. Schnell war wieder meine

Schmerzgrenze erreichr aber August nahm tapfer meinen Rucksack und setzte sich nach hinten, sodass ich in der Mitte sitzend, ohne Last auf den Schultern, die Schmerzen ertragen konnte. Zwischendurch hoerte ich wie hinter mir schwer ausgeatmet und die Zaehne zusammengebissen wurden. Die Strase war nun nur noch ein einziges Auf und Ab und selbst mit dem Motorrad kaum befahrbar. Und so blieb es nicht aus, dass wir einmal zur Seite in ein Loch wegkippten. Gluiecklicherweise ohne Verletzte. Grosser Jubel ertoente, als wir kurz vorm Ziel eine befestigte Strase erreichten. Wir goennten uns seine Kokusnuss  (die erntet man hier noch gruen und doppelt so gross um sie dann zu trinken) in der Hafenstad Thalabavirat und setzten mit der Fahere ueber. Heute Nacht goennen wir uns ein Bett. Ich humpel immer noch vor Schmerzen  aber wir haben es geschafft, die gruene Hoelle ist ueberwaeltigt. Von hier aus kostet ein Motorradritt nach Tbaeng  Meanchey 70$ pro Kopf. Ein Polizist verdient im Monat 75$.

Wegbeschreibung

Durch den Dschungel

Durch den Dschungel

Wegbeschreibung
Schweinetransporter
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Kommentare (6) Trackbacks (0)
  1. Sau sau gut junge!

    Fucking amazing!

    Schieba

  2. hehe, die abrechnung von dem strandmädchen is das geilste! richtig so! kann ja nich immer nur liebesbriefe für die männer geben!
    Und du solltest dir mal schmerzmittel verabreichen, wenn du schon aus der hängematte fällst… obwohl man meinen könnte, dass es den kleinen geschwistern doch freude bereitet ;-)
    und den “duft der wilden fahrt” kann ich mir bei den temperaturen bestens vorstellen ;-)

  3. goil!!! m.bart. kuhn …. liebe alter !!!! Bulli !!!

  4. Mein Arsch tut immer noch weh! Ich glaube ich habe mir das verdammte Steissbein gebrochen!

  5. Der junge Mann mit Knarre und Kippe soll sich am nächsten Ersten bei unserer Aussenstelle in Kundus melden!

    Das Kreiswehrersatzamt

  6. Das macht nichts, wenn du wieder da bist und es schief zusammengewachsen ist, kann ich das gerne chirurgisch richten.


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