Bier, Besen, Boule und Karaoke – Langsamkeit auf Laotisch
Sabaidee!
Seit Beginn des Monats Februar bin ich mittlerweile schon in diesem schlanken Land, eingekeilt zwischen den geschaeftigen & hektischen Nachbarn wie Thailand und China unterwegs.
Laos PDR steht offiziell fuer Laos People Democratic Republic...doch man scherzt hier gerne (und lernt nur all zu schnell wie viel Wahrheit daran ist!), dass es eigentlich fuer "Laos Please Dont Rush" (= Laos Bitte Nicht Hetzen) steht. Ich betrachte mich eigentlich als recht gechillten Menschen, doch selbst fuer mich war es anfangs nicht ganz einfach diese seelige Ruhe in absolut jeder Lage nachempfinden zu koennen.
Durch den Norden
Nachdem ich zusammen mit meiner Reiseabschnittsgefaehrtin Andrea aus Canada die Grenze bei Huay Xai ueberquert hatte, daemmerte es schon und kein guter Platz fuer's Zelt war in Sicht. So wanderten wir die Hauptstrasse entlang, als aus einem Hof ploetzlich lautes "Sabaidee! Come here!" ertoente. Schwups befanden wir uns auf einer kleinen Party gut gelaunter, da voellig betrunkener Laoten, die uns nur halbwegs erklaeren konnten, warum sie ueberhaupt feierten. Vielleicht waren sie auch zu beschaeftigt uns staendig das Nationalgetraenkt und Nationalstolz "Beerlao" einzufloessen - nach der Enthaltsamkeit in Thailand sollte damit in Laos nun wohl Schluss sein.
Die Nacht verbrachten wir in einer Baustelle, wo wir un im zweiten Stock recht sicher fuelhten. Nachts gegen 4 Uhr schreckten wir auf, Hundebellen war zu hoeren, Schritte kamen dir Treppe hinauf und Tachenlampen erhellten den rohen Beton. Scheisse! Nun sind wir faellig!
Langsam und voellig verschlafen naeherte ich mich den Eindrinlingen (die eigentlich ja wir waren!)...und wurde ueberrascht angegrinst! Ohne ein Wort zu mir schrie der sympathische Laot lachen aus dem Fenster "Hahaha, Farlang! Farlang!" (Farlang heisst so viel wie Fremder / Tourist). In dieser Nacht wurden wir nicht mehr belaestigt
Am folgenden Morgen wurde uns klar, wo die ganze Musik (schraeeeg!) am abend herkam. Statt eines Lokals zum Fruehstuecken fanden wir in einer einzigen Strasse gleich 3 Karaoke Bars, wo selbst am Tage Kinder zu schrecklicher Thai Musik singen.
Anschliessend muss ich lernen, wie schwer das Trampen in Laos ist...nicht aufgrund unfreundlicher Leute - im Gegenteil! Einfach, da es in manchen Gegenden fast keinen Verkehr ueber laengere Distanzen bzw. zur naechsten Stadt gibt! Abgesehen von den tausend Mopeds... Trotzdem erreichen wir irgendwann das Dorf Vieng Phuka, wo uns das Panorama von im Fluss badenden Kindern und waschenden Frauen, den Bergen im Hintergrund und der Stille zum Bleiben ueberzeugen.
Abends wohnen wir dem laotischen Nationalsport, Boule / Petang bei, die Matches werden selbstverstaendlich von Beerlao "gesponsort"
Wir versuchen erneut zu trampen....nach 80 Minute Warterei auf leerem Highway nimmt uns ein Bus mit - bis zum naechsten Dorf, wor dieser in den Garten einer Farm faehrt und der Busfahrer uns ins Farmhaus fuehrt. Per basaler Kommunikation erklaert man uns, dass es erst in ca. 5 Stunden weitergeht. Toll! Doch es sollte uns nicht langweilig werden! Wenig spaeter war das Essen angerichtet und mangels Moeglichkeiten zur Verstaendigung tranken wir reichlich Beerlao, sangen klatschten und lachten bis es dann auch vier Uhr war und der gut angeduselte Busfahrer uns weiterbefoerderte. Natuerlich ging die Party im Bus bei lauter Thai Musik weiter - bin noch immer verwundert, dass wir keinen der zig Abhaenge heruntergefallen sind....
Der Dank fuer die folgenden Bilder gilt meiner Ex-Reisepartnerin Andrea!

Im Einbaum ueber die Grenze nach Laos

Laos Couisine...mhhh!

Beerlao! Beerlao! Hicks!

Hinterhofparty

Daemmerung am Mekong

Huch! Was machst du denn hier!

Morgenwaesche

Warten auf den Tramp bei 35 Grad...

Musizieren mit laotischen Busfahrern
Ueber Luang Nam Tha geht es bis Oudomxai weiter, wo sich die Wege von mir und Andrea dann trennen - fuer sie gehts direkt in die Hauptstadt, fuer mich nach Niang Khiaw weiter. Dieser Ort war einfach so schoen von der Landschaft her, dass ich nur am Fluchen ueber den Verlust war. Da mir das geld ausging und kein ATM nahe war, ging es per Pick Up nach Luang Prabang - Weltkulturerbe und eine der schoensten Staedte Asiens...so sagt man. Fuer mich ein voelliger Reinfall. Die Stadt ist zwar schoen, aber ein touristisches Epizentrum, teuer und irgendwie unecht. Nur weil mich ordentliche Magenkraempfe dahinfrafften, blieb ich ueberhaupt dort. Schnellstmoeglich bestieg ich nachdem ich wieder lebensfaehig war den naechtlichen Bus in die Hauptstadt Vientiane.
Hoellenfahrt!! Auf einer Strasse mit 2000 Hoehenmetern, 3000 Kurven und 5000 Schlagloechern ging es fuer 11 Stunden ohne eine Minute Schlaf in Richtung Hauptstadt. Von den 10 Laoten um mich herum fingen 6 an zu kotzen und mein Nachbar kuschelte sich schlafen an meine Schulter. Voellig zerstoert erreichte ich Vientiane, wo ich mich vor das naechstbeste Guesthouse um 5Uhr morgens legte, um auszuschlafen.
Glueck im Unglueck. Das Guesthouse war ein Glueckstreffer! ich blieb (nicht zuletzt wegen Visa-Bemuehungen) gleich 4 Naechte in Vientiane und verbrachte eine tolle Zeit mit den Leuten im Guesthouse, Locals am Mekong Ufer oder Gesindel in irgendwelchen Bars. Ich hing viel mit Niels aus Holland herum, der die ganz besondere Mission hat, auf seiner 2,5 jaehrigen Reise durch reichlich Laender moeglichst viele Frauen abzuschleppen - bisher mit durchschlagenden Erfolg! Wurde also kaum langweilig, dank ausfuehrlicher Stories und reichlich Bildmaterial
Ergebnis soll uebrigens irgendwann ein Buch werden - Titel darf ich leider nicht verraten, aber ein Bestseller wird's sowieso!
Uebrigens bin ich in Vientiane an eine brauchbare Kamera gekommen! Ab jetzt also wieder Bilder

Das Patoxai in Vientiane

Deutscher Einfluss

Ab in den Sueden!
Trotz vieler positiver Dinge fiel es mir bisher schwer Laos richtig zu geniessen. Ich fuehlte mich stellenweise zu sehr an die Hauptstrassen gebunden und einfach unfrei, da man kaum eigenstaendig in die Wildnis gehen konnte - und eine gefuehrte Tour blieb absolut ausser Frage.
Also beschloss ich ab in den Sueden zu ziehen, wo der Mekong die Grenze zu Thailand bildet und es besser als im Norden zu machen!
Beinhart wie'n Rocker!
In Pakse beschloss ich mir meine Freiheit zu erkaufen. Zusammen mit der in GB geborenen Chinesin Katherine mietete ich mir ein Motorrad, verzurrte meinen Rucksack und nachdem Katherine das gleiche getan hatte brausten wir los - in die naechstbeste Polizeikontrolle, die uns wegen Kleinigkeiten zum Revier bringen wollte. Wir grinsten und redeten uns heraus und bewahrten gleich den Franzosen J.P. vorm gleichen Schicksal. Dieser hat schon halb Laos per Motorrad durchquert und schloss sich uns an!

Sogar in rot!

Der hoechste Wasserfall Laos - 120m

Abendessen im Dschungel

Unser Badezimmer
Also bretterten wir hochmotiviert in Richtung des Bolaven Plateus und des oestlichen Hochlands. Der Plan ging tatsaechlich auf - Laos laesst sich grossartig per Motorrad erkunden! Ber der Fahrt duch winzife Doerfer winken die Kinder und die Frauen bieten uns Essen an. Bei der ersten Panne an Katherines Bike kommt sofort der 10 Jaehrige Dorfmechaniker und nach 5 Minuten laeuft die Maschine wieder! Am Abend erreichen wir einen beeindruckenden Wasserfall abseits der Piste ich dichten Gruen des Dschungels, wo wir Lager aufschlagen und uns am Feuer erstmal richtig vorstellen, was bisher eher nebensaechlich war

Auf der Suche nach Fruehstueck

J.P. & Me
Am naechsten Tag nach einem Bad im Fluss und einer Wasserfalldusche ging es ueber halsbrecherische Staubpisten weiter. Katherine stuerzte ungluecklich, dass der Reifen ihres Bikes explodierte und einiges Verbogen war. In gluehender Hitze ganz im Stile der alten Corny Werbung schob ich die demolierte Maschine zu einem Dorf, das J.P. ausgekundschaftet hatte. Dort wurde das Bike repariert, Katherine verarztet und ordentlich Wasser konsumiert.

Angeln am Wasserfall

Katherine (GB), Ich (GER) und J.P. (FR) - lustige Kombination!
Die Belohnung war spaeter am Nachmittag der wunderschoene Tad Lo Wasserfall, wo ich den ganzen Tag mit Kindern im Wasser spielte, sie mir die Haare wuschen oder ich ihnen und wir am Abend Lager bezogen, dieses Mal mit Beerlao im Handgepaeck!

Tad Lo Wasserfall

Meine Spielgefaehrten

Wisst ihr wo es lang geht?

J.P. an der "Tankstelle"

Guten Morgen!

Born to be wild!
Als Katherine am folgenden Tag ein weiteres Mal ungluecklich fiel, gaben wir die Raserei erstmal auf und genossen die Chinese New Year Feierlichkeiten bei reichlich laotischen Vodka mit den Locals am Mekong Ufer.

Mitten in der Pampa: Regatta zu Chinese New Year

Unser kleines Chinese New Year
Mit nur noch einem Motorbike fuhren Katherine und ich am naechsten Tag zu den alten Ruinen von Wat Phu, eines Tempelkomplexes, der eine Art Angkor Wat Ultralight in Laos darstellte. Das aufregendste dabei war jedoch die Ueberquerung der hier kilometerbreiten Mekong. Unser Bike wurde auf eine klappriges, motorisiertes Holzfloss geladen, mir dem wir leicht veraengstigt und seeehr gemaechlich ueber den Mekong schipperten.

Faehrhafen am Mekong

Am Fusse der Berges auf dem Wat Phu ruht

Blick von oben auf das mekong Valley

Abendstimmung am Mekong-Ufer

Ueberfahrt
Insgesamt laesst sich ueber Laos sagen, dass es ein unheimlich interessantes Land ist, wenn man es schafft die Touri-Route zu verlassen. man muss die Lebensart der Laoten akzeptieren, die fuer ein gutes Petang-Match locker mal ein Wochenende die Arbeit niederlegen - hier zaehlt Lebensfreude einfach viel mehr als Geld und Karriere!
Allerbeste Gruesse aus Pakse,
Benni
P.s.: Habe irgendwie den Bezug zu den Besen aus dem Titel des Artikels vergessen. Naja, ist ganz banal: Neben Bier sind Besen das Hauptprodukt der oertlichen "Industrie". Mit Industrie sind hier Horden von Dorfbewohnern gemeint, die den ganzen tag damit verbringen, kleine Besen aus Palmblaettern herzustellen.
Februar 16th, 2010 - 11:08
I am sad for you:-(
Februar 17th, 2010 - 00:44
Unglaublich was ihr schon alles erlebt habt !!! Super tolle Bilder!!!!
Ben, sag bescheid wenn du wieder Heim bist
Bis dahin, toll toll toll !!!! Wuensche weiterhin viel Abenteuer!!!
Gruesse,
Marta (eine Zwilling)
Februar 20th, 2010 - 10:23
jeaahhhhh, endlich haben wir gerafft wie das mit den kommentaren läuft…gut das das noch klappt bevor ihr wieder da seit
)
auch wir verfolgen immer sehr neugierig euren blog, staunen über die vielfältigen fotos und atemberaubenden eindrücke und eure vielen tollen abenteuer, von denen ihr so ansprechend berichtet. vor allem wenn man hier im kalten, derzeit jedoch von ein paar sonnenstrahlen berieselten oldenburg hockt, könnte man glatt neidisch werden.
wir wünschen euch noch eine hammer geile, von weiteren tollen erfahrungen und eindrücken geprägt zeit während euren trips und senden bis die allerliebsten grüße. doukoure & steffi
Februar 22nd, 2010 - 14:49
hi freinds,
its me! jamal from Bandarabbas-Iran
how nice and beautiful places were you traveling.lucky you
sometime I visit your blog and enjoy it.
GOOD LUCK
Februar 22nd, 2010 - 14:56
I WISH I WERE YOUUUUUUUUUUUUU!