Von Marcus, Benni und der weiten Welt

5Feb/103

Zwischen Wildnis und Kultur im Norden Thailands

VORWORT:

Aufgrund persoenlicher Dusselligkeit gibt es vorerst keine Bilder von mir im Blog, da sich meine Kamera von mir getrennt hat. Sollte jemand auf der Ladeflaeche eines thailaendischen Pick Ups eine Casio Kamera in schwarzen Case finden - bitte umgehend melden!

Dschungel und Berge

Nach der schoenen Zeit in Bangkok hatte ich erstmal genung von Stadt. So stieg ich in den guenstigen Nachtzug von Bangkok in die noerdliche Metropole Chiang Mai, in der Hoffnung ein wenig Schlaf mitnehmen zu koennen. Diese Hoffnung wurde uebererfuellt! Nach Einbruch der Dunkelheit ging das Zugpersonal durch das Abteil und nach viel Geschiebe, Geklappe und Geschraube hat sich der Wagen in ein Abteil voller bequemer Kojen verwandelt! Niemals haette ich gedacht fuer knappe 10 Euro eine ca. sechzehnstuendige Zugfahrt in einem Schlafzug zu verbringen!

So kam ich gut erholt in aller Fruehe in Chiang Mai an, das sich sofort erheblich relaxter als Bangkok anfuehlte. Dennoch stand meine Plan fest, die Stadt gleich wieder zu verlassen.

Im unheimlich klapprigen Local-Bus mit maximal 15 cm Beinfreiheit zum naechsten Sitz ging es in die Berge, in Richtung Pai. Die Distanz von vielleicht 150 KM benoetigte stolze 4-5 Stunden um ueberwunden zu werden - kein Wunder! Es ging hoch hinaus bis hin zu 2000m und die Kurven liessen sich nicht mehr zaehlen, meine Knie wissen am besten was gemeint ist!

Pai sollte eine alte Hippie-Zuflucht sein, verschlafen und mit vergangenen Flair der sechziger Jahre. Vergangen war der Flair (leider!) wirklich. Das Doerfchen hat sich in Sachen Tourismus anscheinend rasant entwickelt, so dass die Strassen voller Touris waren. Ich fluechtete mich also aus dem Dorf und schlug mein Zelt am Fluss auf.

Am folgenden Tag setzte ich die Flucht in den Dschungel fort. Entlang eines kleinen Flusses schlug ich mich einige Stunden durch immer spartanischer werdende Pfade, ueberquerte den Fluss unzaehlige Male um weiterzukommen bis ich gut durchnaesst war und musste schliesslich einsehen, dass hier kaum ein Weiterkommen war - vor allem nicht mit meinem Gepaeck. Also musste ich den Plan, einige Naechte an einem Wasserfall (der da irgendwo kommen musste!) zu verbringen, wieder verwerfen. Ich eilte zurueck um vor Einbruch der Dunkelheit wieder im Dorf zu sein und traf dabei auf den netten Spanier Sandro, der genauso aufgegeben hatte. Er ueberzeugte mich mit in die Bambushuettensiedlung am Flussufer zu kommen, wo ich eine Unterkunft fuer knappe 3 Euro pro Nacht bekam und mich ganz gut damit abfinden konnte, in Pai Fruchtshakes und Nudelgerichte gegen die Enttaeuschung zu konsumieren :-)

Am Abend lernte ich die halb-thai / halb-Japanerin Miko kennen, mit der ich fuer den naechsten Tag einen Motoradausflug ueber die brisanten Pisten plante. Fuer etwas mehr als 2 Euro bekam ich einen suessen Scooter fuer 24h und nach einigen Spritztouren fuehlte ich mich wie Easy Rider!

Mittels provisorischer Karte erkundete ich also mit Miko auf dem "Ruecksitz" am naechsten Tag tolle Wasserfaelle, Canyons, alte Eisenbahnbruecken, wir stiessen auf Elefanten, die ein Armdruecken klar fuer sich entscheiden konnten und beobachten den Sonnenuntergang von einem Bergtempel aus - wie gerne haette ich einige Fotos beigesteuert!

Am folgenden Morgen ging es fuer mich weiter, ohne genau zu wissen wohin. Ich traf die mir schon bekannte Oesterreicherin Ananda, die sehr ueberzeugend von einem tollen, in den Bergen gelegenden Guesthouse nahe einiger spektakulaerer Hoehlen berichtete - klingt gut, da sind wa' dabei!

Tatsaechlich war das abgelegende Haus mit vielen kleinen Holzhuetten am Berghang ein Ort von vollkommender Stille und Dschungel-Flair - echt erholsam nach dem geschaeftigen Pai. Da die Preise nicht so vollkommen waren, bezog ich mit Moskitonetz einfach die Veranda von Andandas Bungalow, um so den naechtlichen Dschungel in allen seinen (besonders akustischen.....) Facetten geniessen zu koennen. Von dem Haus aus konnte man endlich mal recht frei Wanderpfaden folgen (was ich auch tat!), die zu Doerfern der Bergstaemme fuehrten oder zu den zahlreichen Hoehlen. Die groesste dieser Hoehlen erkundeten wir mit einer Thai als Fuehrerin zu Fuss und per Bambusfloss am Abend. Die Hoehle war gute 1,5 KM lang und am Ausgang ereignete sich taeglich bei Daemmerung ein spektakulaeres Schauspiel: Waehrend Millionen von Schwalben einflogen um dort zu naechtigen, taten hunderttausende von Fledermaeusen das Gegenteil!

Es fiel schon etwas schwer den Ort nach zwei Naechten zu verlassen, nicht zuletzt wegen der interessanten und netten Menschen, die dort anzutreffen waren. Doch es ging weiter nach Mae Hong Son und von dort am folgenden Tag wieder nach Chiang Mai - dieses Mal mit Plaenen im Gepaeck.

Koerperkontakt und Citylife

In Chiang Mai sollte ich naemlich wieder zur Schule gehen!

Ich habe zwischenzeitlich die Bestaetigung von einer der renommiertesten Schulen fuer traditionelle Thai Massage (Northern Style) als Heilkunst erhalten, dort fuer das Level I angenommen worden zu sein.

Wohnhaft wurde ich im Appartment der sehr netten und interessanten Menschenrechtlerin Tulika, die eine in Holland geborene Inderin ist. Besser als jede Art von Doku versorgte sie mich mit interessantesten Geschichten ueber ihre bisherige Arbeit (z.B. fuer die UN in mehreren Regionen der Welt in Zusammenhang mit Kinderrechten) und die aktuelle (Projekt mit Bezug zu der Situation von Zwangsarbeitern in Burma). Die studierte Juristin (international Law) ist ein Musterbeispiel fuer gelebten Idealismus und Selbstlosigkeit! In einigen Jahren, wenn sie an noch mehr Konferenzen in Harvard, New York etc. teilgenommen hat und ihr Buch veroeffentlich ist, werde ich mir nachtraeglich ein Autogramm abholen :-)

Mit ebenso viel Idealismus ging es am fruehen Montagmorgen zur Schule, wo meine, tatsaechlich  nicht einfache, Ausbildung begann. Der englischsprachige Kurs wurde von Teilnehmern aus aller Welt besucht, was das Ganze nochmal viel interessanter machte! Schnell fand ich einige Leute, mit denen ich mich prima verstand und auch die (wenige) Freizeit verbringen konnte.

Denn von 9.00h morgens bis ca. 17.00h nachmittags meditierte ich zum Einstieg, um dann ueber die theoretischen Hintergruende von Thai Massage (Anatomie, Energielinien, Selbstverstaendnis der Heilkunst, Geschichte) zu erfahren, bevor die praktischen Einheiten starteten. Oh man...ich haette vorher nicht gedacht, dass man so viele unterschiedliche Griffe, Positionen und Bewegungen in eine einzige Massage-Session integrieren kann....die dann allerdings auch bis zu 2 Stunden dauern kann.

Im Gegensatz zu westlicher Massage geht es viel mehr darum, den Koerper zu dehnen und gezielt bestimmte Punkte und Linien zu bearbeiten, damit ein Ernegiefluss entsteht, der die Belastungen des Tages verschwinden laesst und den Koerper gleichzeitig entspannt und staerkt. Einige Positionen sind sowohl fuer Klient als auch fuer Masseur hoch anspruchsvoll! Bei Gelegenheit fuehre ich interessante, wie z.B. "The Cowboy rides the horse" vor (NEIN, verwerft alle schmutzigen Gedanken gleich wieder ;-)

Abends machte ich fleissig meine Hausaufgaben, genoss ab und zu die Stadt, die ich ausgiebig per Fahrrad erkunden konnte und ertraenkte mich selbst in koestlichsten Fruchtshakes! Insgesamt schon ein merkwuerdiges Gefuehl, wieder einen strukturierten Tagesablauf zu haben und sogar lernen zu muessen! Am Freitag kam der grosse Moment - das Examen! In einer zweistuendigen praktischen Pruefung musste jeder Student zeigen, dass er eine solide Thai Massage nach gelernten Gesichtspunkten durchfuehren konnte. Trotz teilweise recht schwitziger Haende bestand ich mit 93% und nach der feierlichen Uebergabe der durch das Bildungsministerium Thailands zertifizierten Zeugnisse darf ich mich nun Thai Masseur (wenn auch nur auf Level I...) nennen :-)

Meine Hoffnung ist, dass eine seit Jahrtausenden als Heilkunst bewaehrte Technik wie Thai Massage vielleicht Potential fuer die Arbeit an deutschen Foerderschulen bietet - wo ich die suessen ADHS Kids einfach ins Delirium kneten werden, hehe. Ansonsten koennte damit zumindest ein netter Nebenverdienst rausspringen!

Zusammen mit der Kanadierin Andrea, die ich im Kurs kennengelernt hatte, sollte es nun auf nach Laos gehen! Fuer sie in die Hauptstadt zwecks Visumverlaengerung fuer Thailand - fuer mich...einfach so! Ueber Chiang Rai und Chiang Khong ging es zur Grenze....die ich leider, leider ohne Kamera erreichte. Eine Schande! Schon die Ueberfahrt ueber den gewaltigen Mekong, der die natuerliche Grenze bildet, machte den Schweregrad des Verlusts deutlich!

Zu allen Uebel werde ich aller Wahrscheinlichkeit in Laos keine neue Kamera bekommen. Das Bisschen High-Tech, das es hier gibt ist restlos ueberteuert, da komplett importiert. ich hoffe noch aufs Beste - falls nicht wird es eine bilderloses Laos :-(

Die besten Gruesse aus Luang Prabang (bald sicher mehr aus Laos),

euer Benni

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Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. soso! dann hoffen wir mal, dass die energielinien bei den ADHS-kiddies nicht irgendwie anders verlaufen… :)

    nicht vergessen: wissen prägt sich nur durch häufiges üben und wiederholen ein! übungspartnerin hast du ja dabei! also ran da…

  2. *g* und wenn wir beide wieder in deutschland sind, stell ich mich gerne zur verfuegung damit du deine kenntnisse auffrischen kannst. die massage ist dann uebrigens pfilcht, ist dir klar, ne?

    liebe gruesse aus NZ

  3. coole sache grußß an marcus
    von len und ulf


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